Für den katholischen Fernsehsender EWTN-TV führte das Interview Nathanael Liminski.
EWTN:
Bischof Bode, Sie sind der Jugendbischof in Deutschland. Die Deutschen sind hier in Sydney die viertgrößte Pilgergruppe. Was hat der Weltjugendtag in Köln bewegt?
Bode:
Dass 6.000 Jugendliche jetzt nach Australien gefahren sind, ist sicher eine Frucht des Weltjugendtages in Köln. Ich spüre als Jugendbischof sehr stark, dass ganz unterschiedliche Kräfte sich einfach auf ein Ziel hin immer wieder einordnen, von geistlichen Gemeinschaften, bis hin zu Verbänden, zur Jugendsozialarbeit, zu Pfarrgruppen und Messdienern. Dass diese sich auf ein solches Ereignis einlassen, ist immer eine gute auch inhaltliche Hilfe für die Jugendarbeit in Deutschland. Es gibt inzwischen ja auch jedes Jahr die Diözesan –Weltjugendtage in den Diözesen, und es gibt verschiedene Gebetsgruppen und –formen, die daraus entstanden sind. Ich merke einfach, selbst wenn man das vielleicht zahlenmäßig jetzt nicht so belegen kann, dass viele doch einen gewissen Anstoß auch für ihren weiteren Weg durch die Weltjugendtage bekommen haben. Ich sage gerne, dass der Grundwasserspiegel des Verhältnisses zu Kirche, zum Papsttum, zum Glauben, zu Jesus Christus im wirklich ganz konkreten Sinn des Wortes gewachsen ist. Das sieht man nicht immer sofort, aber es wachsen Dinge daraus, weil man selbstverständlicher mit den Dingen umgehen kann. Das spüre ich einfach in den letzten Jahren, dass wir da doch auch weiter gekommen sind.
EWTN:
Viele Jugendliche sagen hier, spätestens seit Dienstag, seit der Eröffnungsmesse mit Kardinal Pell, dass das Weltjugendtags-Flair wieder aufgekommen ist. Was ist das Wesen dieser Weltjugendtage?
Bode:
Es ist einfach ein großes Glaubensfest. Die Jugendlichen spüren: Wir sind nicht allein vor Ort. Wir sind nicht nur eine kleine Gruppe. Wir müssen uns nicht ständig nur rechtfertigen, warum wir zur Kirche gehören, sondern wir sind einfach hier gemeinsam Kirche und sehen in dieser Buntheit und Weltweite über den Kirchturm hinweg, sehen nicht nur die Probleme in Deutschland, sondern nehmen wahr, dass es noch ganz andere Probleme auf der Welt gibt und auch ähnliche natürlich. So nimmt man wahr,dass es ein weltumspannendes Netzwerk ist. So ein Gesamtkunstwerk wie der Weltjugendtag, so habe ich oft gesagt, spricht alle Sinne an: Man erlebt Gemeinschaft, man kann ganz still für sich sein. In den Katechesen kann man sich mit Fragen auseinandersetzen. Also jeder kann diesen Weltjugendtag auch auf eine bestimmte Weise auf sich wirken lassen und wird irgendwo dann mitgenommen von einer Gesamtbewegung. Ich glaube, dass das unserer Arbeit und unserer Pastoral insgesamt – und nicht nur der Jugendpastoral – gut tut.
EWTN:
Kardinal Pell, der Gastgeber, hat zu den Jugendlichen bei der Eröffnungsmesse gesagt: „Ihr seid an das Ende der Welt gekommen.“ Was ist der Grund dafür, weshalb der XXIII. Weltjugendtag in Australien ist? Was erwartet sich die australische Kirche davon?
Bode:
Also dieser Ausdruck „bis an die Grenzen der Erde gehen“ kommt ja nun aus der Apostelgeschichte. Von uns aus gesehen ist Australien die andere Seite der Welt. Ich glaube, die lange Anreise, dass man hier eine ganz andere Gesellschaft erlebt, die Auseinandersetzung mit der Geschichte, mit den Aboriginees und mit der modernen Entwicklung dieses Landes, diese Spannung von Natur und Kultur, wirklich einen anderen Erdteil zu erleben, dass wir also hier sind,das war von der Kirche, von denen, die das entschieden haben, gut gedacht. Ich würde mir sehr wünschen, wenn es eine Möglichkeit gäbe, dass in irgendeiner Form auch in Afrika einmal zu tun. Da merken junge Leute dieses Weltumspannende besser, als wenn wir immer im europäischen Kontext bleiben.
EWTN:
Ein zentraler Aspekt, eine zentrale Figur der Weltjugendtage ist natürlich auch der Papst. Papst Benedikt übt eine große Faszination auf junge Menschen aus. Das liegt sicherlich zum einen an seinem Amt, aber auch in seiner Person begründet. Was genau verschafft Papst Benedikt diesen Zugang zu den jungen Menschen?
Bode:
Ich kenne den Papst von meinem Studium her, als er noch Professor war. Was mich selbst immer angesprochen hat, auch als junger Student, war diese große Bescheidenheit. Er ist ein Mann von ausgesprochener Klugheit und Kompetenz und gleichzeitig dabei hoch bescheiden und tritt eigentlich immer hinter dem Amt mit seiner Person zurück. Er lässt wirklich deutlich werden, dass er die Einheit der Kirche darstellen will, und das mit einem sehr freundlichen und auch ästhetischen Gefühl für Kultur und für Menschen, für junge Menschen, und für die Fragen – nicht in dem Sinne, dass er aus der Pastoral kommt wie der Vorgänger-Papst und lange Erfahrung als Jugendpfarrer und als Pfarrer hat. Vielmehr ist es bei ihm dieses Interesse an den Grundfragen der Menschen. Damit trifft er ja sehr unterschiedliche Menschen, weil die letzten Fragen des Menschen doch bei verschiedenen Generationen und Kulturen gleich sind: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was prägt mich eigentlich? Wovon lebe ich? Wofür lebe ich?Papst Benedikt kann, weil er ein Mann großer Sprachfähigkeit ist, ja fast eine poetische Sprache hat, sehr unterschiedliche Menschen ansprechen. Und diese Authentizität,diese Identität, die er hat, spricht junge Menschen an, selbst wenn sie vielleicht einzelne Worte oder einzelne Sätze gar nicht immer sofort mitnehmen. Aber das ist ja bei allen Menschen so. Jeder nimmt unterschiedliche Dinge auf. Aber dieser Grundeindruck, der ist, glaube ich, da.
EWTN:
Heute feiern die Pilger die Ankunft von Papst Benedikt XVI. Am Sonntag ist dann alles vorbei. Die Frage ist: Was bleibt?
Bode:
Wir haben es ja auch in Köln erlebt: Man kann zunächst einmal solche Erfahrungen nicht unmittelbar verstetigen. Das ist ein Sondererlebnis. Aber die Bilder, die Eindrücke, die Worte, die man vielleicht hier oder da aufgenommen hat, die Begegnungen sind so tief greifend, zu Herzen gehend und bewegend, dass sie von innen her bleiben werden und dadurch auch die Ermutigung und Stärkung mitgeben, doch wieder mit mehr Freude katholisch zu sein und Christ zu sein.
EWTN:
Herr Bischof Bode, wir danken für das Gespräch und wünschen Ihnen noch schöne Tage hier in Sydney.
Sofern die Quelle „EWTN-TV“ genannt ist, erlauben wir den auszugsweisen oder vollständigen Abdruck des Interviews. Für einen Hinweis auf unseren Videoblog (www.weltjugendtag-videoblog.de) sowie ein Belegexemplar wären wir dankbar.

