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09. September 2010  
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Die Katholiken des östlichen Ritus und die Lehre von der unbefleckten Empfängnis Mariens     zurück

Frage: Bekennen die Katholiken des östlichen Ritus ebenfalls die Lehre von der unbefleckten Empfängnis Mariens?

Antwort: Die theologischen Wurzeln des Dogmas von der unbefleckten Empfängnis Mariens liegen im östlichen Mittelmeer. Von dort gelangte der Glaube an das Dogma nach Westeuropa. Bereits in frühen Jahrhunderten der Kirche haben die Gemeinden im östlichen Mittelmeer am 9. Dezember die Empfängnis der Gottesgebärerin (griech. Theotokos) Maria durch die heilige Anna gefeiert. In darauf folgenden Jahrhunderten begannen auch die Gläubigen in Westeuropa das Fest zu feiern. Hier wird es am 8. Dezember begangen.

In den katholischen Kirchen des östlichen Ritus, d.h. denjenigen Ostkirchen, die in Gemeinschaft mit dem Papst stehen, spielt das theologische Erbe der östlichen Kirchenväter eine sehr wichtige Rolle. Die Theologie dieser Kirchen ist deswegen sehr stark an den Kirchenvätern ausgerichtet. Die Theologie im Westen hast sich von der Theologie des Ostens unterschieden entwickelt. In Westeuropa bildete sich im 12. und 13. Jahrhundert die so genannte Scholastik heraus, die für ihr theologisches Arbeiten insbesondere auf die Terminologie des antiken griechischen Philosophen Aristoteles zurückgreift. Die Scholastik entwickelte durch die Wiederentdeckung des Aristoteles einen neuen Weg, theologische Fragen zu lösen. Sie war in der westlichen Kirche bis zum II. Vatikanischen Konzil die vorherrschende theologische Methode.

Das Dogma von der unbefleckten Empfängnis Mariens wurde von Papst Pius IX. 1854 feierlich verkündet. Für diese dogmatische Definition verwendete der Papst die scholastische Terminologie: „Zur Ehre der heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit, zur Zierde und Verherrlichung der jungfräulichen Gottesgebärerin, zur Erhöhung des katholischen Glaubens und zum Wachstum der christlichen Religion erklären, verkünden und bestimmen wir in Vollmacht unseres Herrn Jesus Christus, der seligen Apostel Petrus und Paulus und in unserer eigenen: Die Lehre, dass die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch einzigartiges Gnadengeschenk und Vorrecht des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechtes, von jedem Makel der Erbsünde rein bewahrt blieb, ist von Gott geoffenbart und deshalb von allen Gläubigen fest und standhaft zu glauben.“

Die Begriffe „Verdienst“ und „Makel“, die in der Definition verwendet werden, sind der östlichen Theologie fremd. Sie haben einen späteren Ursprung und bekamen ihre spezifische Bedeutung erst im scholastischen System. Stellt die Tatsache, dass diese Begriffe der östlichen Theologie unbekannt sind, ein Problem dar?

Nein, das Problem besteht nicht. Es handelt sich hierbei gewissermaßen um eine unbekannte Sprache, die in die Sprache der östlichen Theologie übersetzt werden muss. Auch ohne die Kenntnis der scholastischen Fachterminologie ist deutlich, was das Dogma aussagen möchte: Ab dem allerersten Moment ihrer Existenz ist Maria auf geheimnisvolle Weise von aller Sünde bewahrt. Die östliche Theologie fügt diesem Aspekt noch einen weiteren hinzu: Maria ist nicht nur von der Sünde bewahrt, sondern auch begnadet, weil der Heilige Geist in ihr wohnt.

Während also in der Definition von der Freiheit Mariens von jedem Makel der Erbsünde gesprochen wird, sprechen die Gläubigen in den mit Rom unierten Kirchen des östlichen Ritus von der vollkommenen Heiligkeit Mariens. Die von der westlichen Theologie beeinflusste Definition verwendet eine negative Formulierung, insofern sie von der Abwesenheit des Makels der Erbsünde spricht, wogegen die östlichen Kirchen positiv die Erfülltheit mit dem Heiligen Geist verkünden. Der Zugang der Ostkirchen liefert somit einen echten Beitrag zum Verständnis des Dogmas. Diesen Aspekt hat auch Papst Johannes Paul II. während der Generalaudienz vom 12. Juni 1996 besonders unterstrichen: „Tatsächlich muss die negative Formulierung des Privilegs Mariens, die von den frühen Kontroversen über die Erbsünde, welche im Westen entstanden, herrührte, immer mit dem positiven Ausdruck der Heiligkeit Mariens ergänzt werden, die in der östlichen Tradition deutlicher betont wird.“

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